"Die Bayern machen es!"

 

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Laura Papendick (30), studierte Sportjournalismus in Köln und sammelte erste Erfahrungen als Reporterin und Redakteurin für DFL Digital Sports, sowie Bayer 04-TV. 2015 wirkte sie bei der Wimbledon-Berichterstattung von Sky mit, ehe sie 2016 zum Moderatoren-Team von Sky Sport News HD stieß. Seit April 2019 ist sie bei SPORT1 zu sehen, moderiert hier „Bundesliga Aktuell“, „Bundesliga Pur - Lunchtime“ und als Co-Moderatorin den „CHECK24 Doppelpass“. Das nächste Mal im TV ist sie am Mittwoch als Moderatorin von „Bundesliga Aktuell“, live ab 19.45 Uhr auf SPORT1.         


tippmit: So, dann steigen wir doch direkt mal voll ein: Wer wird Meister, Bayern München oder Borussia Dortmund?

Papendick: Die Bayern machen es! Ich habe schon vor dem Gipfel gesagt, dass die Mannschaft, die das direkte Duell für sich entscheidet, mental einen enormen Vorteil hat. Die Münchner haben diese Aufholjagd hingelegt und ich denke , dass dem BVB dieses 0:5 einen Knacks gegeben hat, weil es doch sehr, sehr deutlich war. Zwar ist das Restprogramm der Bayern vielleicht einen Tick schwieriger, aber es gibt eben auch noch Gegner, auf die beide treffen. Ich hoffe auf jeden Fall, dass es bis zum Ende spannend bleibt.

tippmit: Haben Sie eine Erklärung für diese Machtdemonstration der Bayern bzw. andersherum, dass Dortmund im direkten Duell aufgetreten ist wie das Kaninchen vor der Schlange?

Papendick: Wahrscheinlich haben die Dortmunder selbst keine richtige Erklärung dafür. Es gab eine Szene direkt in der Anfangsphase, in der Dortmunds Dahoud den Pfosten trifft. Wenn das Tor da gefallen wäre, wäre die Partie wohl anders verlaufen. Spätestens nach dem 0:2 war überhaupt nichts mehr von den Dortmundern zu sehen, die waren einfach total mutlos, was man ja eigentlich nicht verstehen konnte, weil sie doch mit Selbstbewusstsein in dieses Duell gehen konnten. Die Dortmunder haben sich in der Partie kleiner gemacht als sie sind.

tippmit: Dann mal der Blick ans Tabellenende, was glauben Sie, wer muss runter?

Papendick: Ich denke, dass es die beiden Mannschaften, die momentan unten sind, erwischt. Hannover ist aktuell 18. und wenn man sich die komplette Saison von 96 anguckt, war gefühlt nie so ein richtiger Lichtblick da. Zudem ist auch so viel Unruhe im Umfeld und der Abstand zum Relegationsplatz ist schon deutlich. Nürnberg sehe ich auch in der 2. Liga. Das mag vielleicht auch am Budget liegen, aber es ist auch einfach nicht erstligatauglich, was der Club bislang gezeigt hat. Sie haben sich sehr schwer getan, die Offensive ist aktuell die schwächste in der Liga. Das werden sie nicht mehr drehen, auch wenn es zuletzt ein paar Hoffnungsschimmer gab.     

tippmit: Wen sehen Sie auf dem Relegationsplatz?

Papendick:  Das wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Augsburg und Stuttgart. Durch die Trainerentlassung in Augsburg kommt ein neuer Schub rein. Die Restprogramme beider Teams sind fast exakt gleich und sie müssen auch noch gegeneinander ran. Deswegen würde ich tippen, dass derjenige, der sich im direkten Duell durchsetzt, auch in der Liga bleibt. Der andere muss in die Relegation. Das wird sehr, sehr eng.               

tippmit: Mit anderen Worten: Schalke ist nicht mehr gefährdet?

Papendick: Aus meiner Sicht kommen sie mit einem blauen Auge davon. Ob sie es verdient haben in dieser Saison, ist eine andere Frage. Ganz sicher wird es dort im Sommer einen Neustart geben.  

tippmit: Dann der Blick auf die Champions League, da ist ja leider kein deutscher Vertreter mehr dabei, aber das heißt natürlich nicht, dass es nicht mehr spannend ist. Wen sehen Sie da als Favoriten?

Papendick: Ich würde es Liverpool wünschen. Es ist Wahnsinn, welchen Fußball sie momentan zeigen. Mit Jürgen Klopp haben sie einen deutschen Trainer, der sich unfassbar etabliert hat in der Premier League, das passt einfach. Ajax ist auch sehr spielstark, das hat der beeindruckende Auftritt in Turin noch einmal allen vor Augen geführt.

tippmit: In der Europa League haben wir noch einen deutschen Vertreter – was sagen Sie zur Eintracht?

Papendick: Wahnsinn! Da macht Europa League richtig Spaß, wenn man sieht, wie Eintracht Frankfurt sich da präsentiert – auch gegen Benfica gebe ich ihnen trotz des 2:4 noch eine Chance. Die Offensive wirbelt, sie haben kreative Köpfe – es ist bloß die Frage, wie lange sie noch so in Frankfurt zusammen spielen. Adi Hütter hat einen schwierigen Start gehabt und dann die Mannschaft wirklich perfekt eingestellt und super weiterentwickelt. 

tippmit: A propos Hoffnung… Thema Nationalelf: Was sagen Sie zu dem Umbruch und den Aussortierungen von Boateng, Hummels und Müller, richtig oder falsch?

Papendick: Dass ein Umbruch stattfinden muss und dass der auch schon hätte stattfinden müssen, ist definitiv klar. Es kommt nur darauf an, wie man den Umbruch gestaltet, knallhart oder mit langsamen Schritten. Jogi Löw hat ordentlich Kritik einstecken müssen, als er die drei aussortierte. Ich habe mich auch gefragt, warum man so rabiat sagt: „Sie sind für die Zukunft raus.“ Beispiel Thomas Müller. Es kann sein, dass er in der nächsten Saison aufdreht und ganz viele Tore macht – ist er dann nicht doch wieder ein Kandidat? Zugleich müssen die jungen Spieler in die Nationalmannschaft reingebracht werden und Chancen kriegen, klar. Das Spiel gegen die Niederlande hat auf jeden Fall Mut gemacht.

tippmit: Also der Umbruch mit Joachim Löw und nicht mit jemand anderem ist die richtige Wahl?

Papendick: Ich frage mich immer, wer es sonst machen sollte. Man hört oft: „Ja, Joachim Löw, den müsste man auch mal austauschen“. Doch so leicht ist es nicht. Joachim Löw hat schon einiges geschafft mit der Nationalmannschaft. Er hat bewiesen, dass er es kann und ich glaube, dass er die Nationalmannschaft in Zukunft erfolgreich trainieren kann, man darf ihn nicht abschreiben.

tippmit: Dann kommen wir zu Ihnen. Sie sind kürzlich von Sky zu SPORT1 gewechselt. Was waren Ihre Gründe?

Papendick: Ich war insgesamt zweieinhalb Jahre bei Sky, habe dort auch angefangen zu moderieren, es waren sozusagen die ersten Schritte, die Sky mir ermöglicht hat als Moderatorin. Dafür bin ich auch sehr, sehr dankbar. Es war für mich die beste Schule, Sky Sport News HD zu machen. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass ich jetzt eine neue Herausforderung brauche, um mich auch als Moderatorin weiterzuentwickeln. Bei SPORT1 habe ich die Möglichkeit dazu.

tippmit: Wie muss man sich einen typischen Arbeitstag von Ihnen vorstellen bzw. gibt es überhaupt einen typischen Arbeitstag?

Papendick: Das ist ja eigentlich das Schöne an diesem Job, dass nicht jeder Tag gleich ist, dass man nicht jeden Tag um acht ins Büro geht und um 16 Uhr wieder nach Hause. Man muss immer auf neue Ereignisse reagieren, die den Tagesablauf total verändern können. Also gibt es nicht den typischen Tag, aber ehrlich gesagt liebe ich auch genau das an meinem Job.

tippmit: Also ist Ihr Job sehr abwechslungsreich, aber bestimmt, gerade auch durch die vielen aktuellen Ereignisse, sehr vorbereitungsintensiv, oder?

Papendick: Genau! Aber für mich stand schon als kleines Mädchen fest, dass ich Sportjournalistin werden will. Man beschäftigt sich automatisch mit einem Thema, wenn man etwas liebt. Es ist ein absoluter Traumjob, weil es sich manchmal gar nicht richtig als Job anfühlt, sondern weil es eine Leidenschaft ist, die man im Job ausleben darf.

tippmit: Thema Leidenschaft… haben Sie persönlich denn auch einen Lieblingsverein?

Papendick: Ja, habe ich! Ich komme aus dem Rheinland, bin gebürtig aus Bergisch Gladbach und da muss man sich mehr oder weniger irgendwann entscheiden zwischen den Klubs, und ich habe mich tatsächlich für Bayer Leverkusen entschieden. Hintergrund ist, dass ich längere Zeit für Bayer Leverkusen gearbeitet habe. Also beobachte ich immer ganz genau, was sie dort machen.

tippmit: Waren Sie schon Leverkusen-Fan, bevor Sie angefangen haben dort zu arbeiten und haben sich so quasi Ihren Traum erfüllt oder kam das eher mit der Arbeit, dass Sie zum Fan geworden sind?

Papendick: Nein, das hat sich wahrscheinlich ein bisschen intensiviert, aber davor war Leverkusen auch schon der Verein, zu dem ich mal ins Stadion gegangen bin. Das waren auch die kurzen Wege, von Bergisch Gladbach nach Leverkusen ist es nicht weit. Das Interesse ist nicht erst durch die Arbeit da gekommen.

tippmit: Was glauben Sie, wo Leverkusen abschließt?

Papendick: Hui, wenn man sich das Restprogramm anschaut, dann müssten sie die Europa League noch packen. Bayer hat noch drei Spiele gegen Mannschaften, die ganz unten drin stehen. So ein Klub hat eigentlich auch den Anspruch in der Champions League mitzuwirken, aber da sind sie gerade doch ein Stückchen von entfernt, also muss es zumindest die Europa League sein.

tippmit: Unter Peter Bosz ist es jetzt natürlich extrem torreich geworden, macht aber Spaß, oder?

Papendick: Also das Tore schießen macht Spaß, doch bei den Gegentoren leidet man. Man muss da einfach ein Gleichgewicht finden zwischen Offensive und Defensive. Defensiv besser zu stehen, das ist aktuell die wichtigste Aufgabe.

tippmit: Ihr perfekter Fußballtag, wenn Sie mal frei haben und es privat genießen können, wie sieht der aus?

Papendick: Definitiv im Stadion! Das ist einfach nochmal komplett was anderes. Klar, auf der Couch gucken macht auch Spaß, besonders dann, wenn man zu mehreren schaut, aber es gibt eben nichts Besseres als einen Stadionbesuch. Das ist von der Atmosphäre her einfach was ganz anderes, man fiebert noch stärker mit, ich mag das, so eine schöne Stadionwurst auf der Hand und dann Fußball schauen.

tippmit: Wie oft kommen Sie noch dazu?

Papendick: Also ich versuche das schon immer mal wieder. Man kommt tatsächlich nicht mehr ganz so häufig dazu, da ich ja meist an den Tagen arbeite, aber wenn es die Möglichkeit gibt, versuche ich das immer wieder zu machen.

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