Wettstrategien

Gegen den Strom schwimmen lohnt sich

Gegen den Strom schwimmen lohnt sich
Gegen den Strom schwimmen lohnt sich

Zweifelsohne macht es Spaß, sein Team mit vielen Gleichgesinnten anzufeuern. Ob im Fanblock, im Wettbüro oder auf der Couch – gemeinsam um den Tippschein bangen ist eine der vielen schönen Facetten am Wetten. Doch gerade, wenn sich eine starke öffentliche Tendenz gebildet hat, kann es lohnenswert sein, der einzige Gegenstromschwimmer zu sein.

Die breite Masse an Zockern tippt auf Favoriten. Je klarer der Sieg im Vorfeld erscheint, desto mehr Spieler packen das „sichere Ding“ noch in die Kombiwette. Und darauf reagieren die Buchmacher!

Öffentliche Favoriten

Wird ein Team von den Zeitungen besonders gepusht, spielt vielleicht sogar Patriotismus eine Rolle, wie das zum Beispiel bei Spielen der Nationalelf der Fall ist, dann werden die Quoten für den Sieg der entsprechenden Mannschaft niedriger taxiert, als die Bookies die Realquote einschätzen. Die Erklärung dafür ist einfach: Werden ungewöhnlich große Summen auf Favoriten gesetzt, ist der Wettmarkt unausgeglichen und der Buchmacher ist in Gefahr, große Summen zu verlieren. Daher wird die Quote niedriger angeboten, als der Buchmacher die Realchance einschätzt.

Value Bet

Aus dem gleichen Grund steigt entsprechend die Gegenquote, denn die meisten großen Buchmacher arbeiten mit einem relativ festen Quotenschlüssel. Als Wetter kann man also mit einer deutlich höheren Außenseiterquote rechnen – eine Quote, die das Risiko wert ist. Man spricht hierbei auch von einer „Value Bet“, eine Wette von Wert.

Ein Beispiel: Ein Tipp auf einen Sieg der Bayern gegen Arsenal am Dienstag wird mit Quoten um die 1,25-1,30 angeboten. Da die Bayern durch ihren Hinspielsieg in London (2:0) bereits ein Bein im Viertelfinale haben, gehen Sie jedoch vielleicht nicht mit letztem Einsatz ins Spiel. In unserem Beispiel vermuten wir daher die Siegchance der Bayern bei 70%, könnten uns mit 25 prozentiger Wahrscheinlichkeit auch ein Remis vorstellen und  schätzen Arsenals Siegchance mit 5% ein. Mit einer einfachen Rechnung können wir uns nun unsere Realquoten ausrechnen:

1 / Trefferwahrscheinlichkeit in Prozent * 100

Für den Bayernsieg ergäbe das eine Realquote – also ohne Buchmachervorteil – von: 1 / 70 * 100 = 1,429. Das Remis wäre entsprechend mit 4,0 quotiert, der Sieg des FC Arsenal mit 20,00. Gehen wir von einem Buchmachervorteil von 10% aus, reduzieren ergeben sich nach der Rechnung Realquote * 0,9 (es verbleiben 90% für den Wetter) folgende Quoten: 1,29  - 3,6 - 18,00. Nun gilt es, Differenzen zwischen den nach unserer Ergebniserwartung kalkulierten Quoten und den tatsächlichen Buchmacherquoten zu finden.

Realquote vs. Bookiequote

In der Realität bieten die Bookies zwischen 7,0 und 10,00 für einen Arsenal-Sieg. Für unsere hypothetische Einschätzung mit 5% Gewinnwahrscheinlichkeit für Arsenal eine schlechte Quote. Ganz anders ist die Sache beim Remis. Hier haben wir die Wahrscheinlichkeit mit 25% eingeschätzt und damit eine Quote von 3,6 errechnet. Bei verschiedenen Anbietern erhalten Sie jedoch Quoten von 5,00 bis 6,00. In diesem Fall lohnt sich ein Tipp auf das Remis, denn die Auszahlung liegt deutlich über unserer kalkulierten Quote von 3,6.

Niemals unterschätzen

Zeichnet sich also im Vorfeld ein klarer Öffentlichkeitsfavorit ab („Wer soll die Bayern überhaupt stoppen?“), sollte man sich unbedingt die Quoten für Überraschungen ansehen. Manche Teams wirken nur auf dem Papier überlegen. Vor allem, wenn eine Mannschaft sich selbst überschätzt, ist sie verwundbar. Das hatten auch viele Türken vor dem Champions-League-Achtelfinalrückspiel von Galatasaray bei Schalke 04 getan. Gala war nach einem 1:1 im Hinspiel gegen formstarke Schalker, die am Wochenende zuvor den BVB mit 2:1 besiegt hatten, deutlicher Außenseiter bei den Buchmachern (Quoten ab 5,00). Im Hinspiel hatten die Knappen die Partie deutlich dominiert und mussten zu Hause nur noch den Sack zumachen. Doch die Istanbuler spielten vor toller Kulisse ein ganz anderes Spiel und warf Königsblau mit 3:2 aus dem Wettbewerb. Viele Gala-Fans hatten, sei es aus Stolz oder aus Vorahnung, an ihr Team geglaubt und Buchmachern einen schlimmen Tag bereitet. Die hohen Auszahlungen rissen vielen Anbietern tiefe Löcher in die Bilanz.

Außenseitersiege sind natürlich trotzdem selten, es wird sich nicht lohnen, aus Prinzip immer gegen die Favoriten der öffentlichen Meinung zu setzen. Viel häufiger bietet sich da die Gelegenheit bei Torwetten.

Auf wenig Tore hoffen

Die breite Masse an Hobby-Tippern will gern spektakuläre Spiele sehen und natürlich auch viele Tore. Daher kommen grundsätzlich viel mehr Tipps auf „über Tore“ als auf das Gegenteil. Wer will schon 90 Minuten lang Nägel kauen und hoffen, dass der Mittelstürmer die Großchancen verstolpert? Wie bei den 3-Weg-Wetten bieten die Buchmacher auch in diesem Fall die Quote für „über Tore“ grundsätzlich niedriger an.

Auch hier muss sich der ambitionierte Wetter manchmal gegen den Spaß entscheiden. Als zum Beispiel am Mittwoch eine bunt zusammengewürfelte deutsche Nationalmannschaft auf hochmotivierte Chilenen traf, hätte es für „unter 2,5 Tore“ Quoten von bis zu 3,00 gegeben. Für „unter 1,5“ hätte man sogar siebenfaches Geld bekommen können.

An diesem Wochenende gingen in der ansonsten extrem torreichen ersten Bundesliga fünf Spiele „unter 2,5 Tore“. In der Vorwoche waren es ebenfalls fünf von neun Partien. In der torreichsten ersten Spielklasse Europas, der österreichischen Bundesliga (3,43 Tore pro Partie) gingen 40% der Spiele des Wochenendes mit weniger als drei Treffern über die Bühne. Die saftigen Quoten auf überraschend torarme Partien können echte Value Bets sein.

Kühl kalkulieren

Grundsätzlich gilt bei Tipps gegen die öffentliche Meinung: Versuchen Sie sich ihre eigenen Quoten ganz objektiv zu bilden. Vergleichen Sie dann ihre Realquoten mit den Buchmacherquoten. Wenn es dann deutliche Diskrepanzen gibt, haben Sie eine Value Bet. Vergessen Sie dabei aber nicht, dass sie trotzdem auf einen Außenseiter setzen. Sie halten mit ihrem Tipp nur die Überraschung für wahrscheinlicher als alle anderen.

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