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Der Halo-Effekt: Unser faules Gehirn

Brasilien war einer der Top-Favoriten auf den WM-Titel 2014. Klar, die Brasilianer waren ja auch Rekord-Weltmeister, spielten im eigenen Land und sind schon immer alle unglaubliche Techniker. Die Nachfahren von Pelé, Garrincha, Zico oder Ronaldinho können alles am Ball, sie sind eben Brasilianer. Wir gingen davon aus, dass die Selecao gespickt sei mit Supertechnikern, denn damit assoziiert man die Spieler vom Zuckerhut seit einigen Generationen. Es ist der erste Gedanke zu brasilianischem Fußball, der fest in unseren Fußballgehirnen verankert ist. Und dabei handelt es sich um ein in der Psychologie schon lange bekanntes Phänomen, den Halo-Effekt. Der spielte uns nicht nur bei diesem Turnier einen Streich, die Selecao enttäuschte Fans und Wetter bitterlich.

Erstaunliche Verbindungen

Erstmals wurde der Halo-Effekt von Edward Thorndike empirisch untersucht. Dem US-amerikanische Forscher verdankt er seit 1920 auch seinen Namen. Thorndike bemerkte, dass er konstante Korrelationen bei psychologischen Einschätzungen erzielte, obwohl es keinen Zusammenhang geben dürfte. So schätzten zum Beispiel Offiziere ihre Soldaten Anhand von Fotos in verschiedenen Attributen (Physis, Erscheinungsbild, Führungsqualitäten, Intellekt, sozialer Umgang, etc.) sehr ähnlich ein. Athletischen Soldaten wurde grundsätzlich ein höherer IQ zugetraut, zudem bessere Führungsqualitäten und ein guter Charakter. Das erste und augenscheinlichste Attribut wurde dabei Wegbereiter für alle folgenden. Ein Soldat mit offensichtlicher Augenfehlstellung wurde so zum Beispiel als unsportlich, unmusikalisch und wenig intelligent eingestuft – obwohl diese Eigenschaften natürlich nichts mit seinem Äußeren zu tun haben.

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