Wettstrategien

Die Hole-in-One-Gang von Essex

Die Hole-in-One-Gang von Essex
Die Hole-in-One-Gang von Essex

Heute gibt es eine kleine Märchenstunde in der Rubrik Wettstrategien. Allerdings ist das, was so märchenhaft klingt, eine wahre Geschichte, von der alle Wetter etwas lernen können.

Die Geschichte liegt mittlerweile 24 Jahre zurück und ereignete sich auf den britischen Inseln. Paul Simmons, Angestellter bei einem Buchmacher, und sein Kumpel John Carter (der früher einen Wettshop geleitet hatte) kamen in ihrer Heimat Essex auf eine Idee. Sie hatten den Verdacht, dass Buchmacher bei Ereignissen, für die eine Wahrscheinlichkeitsanalyse nur schwer möglich ist, am verwundbarsten sind. Als Golf-Fans hatten Sie hingegen die Wahrscheinlichkeit eines Hole-in-One, also einem Treffer direkt vom Abschlag aus, für die großen Profi-Golfturniere berechnet.

Ihrer Rechnung nach, hätte die Quote für ein solches Ereignis knapp über 2,0 liegen müssen. Vor den damals fünf großen Golfturnieren, den British Open, dem Benson&Hedges, den PGA, den US Upen und den European Open, tourten die beiden durch das gesamte Königreich und suchten vor allem nach unabhängigen Buchmachern, die ihnen Quoten für Hole-in-Ones bei einzelnen Turnieren aber auch als Kombiwette gaben.

Es gelang ihnen, mehrere Wetten, Einzel-, System- und Kombi, zu platzieren mit Quoten bis zu 100,0. Als der Spanier Miguel Angel Jimenez bei den European Open den Ball direkt vom Abschlag aus ins Loch beförderte, hatten Simmons und Carter ein Vermögen verdient. In allen fünf Major Events des Golfjahres 1991 hatte es mindestens ein Hole-in-One gegeben und selbst ohne die zwölf Buchmacher, die eine Auszahlung verweigerten oder Insolvenz anmeldeten, hatte sich ihre Gewinnsumme auf damals 500.000 britische Pfund summiert. Die beiden Zocker gingen als die „Hole-in-one-Gang“ in die Geschichte ein und waren fortan in mancher Wettbude eher ungern gesehen.

Die Moral

Jede gute Geschichte hat auch eine Moral. Was kann man also aus dem Beispiel der Gang lernen? Zunächst einmal, dass es sich immer lohnt, nach Buchmachern mit den besten Quoten zu suchen. Hierbei hilft heute das Internet und man muss nicht mehr mit dem Auto durch Wald und Wiese brettern. Die etwas verstecktere Botschaft ist jedoch, dass man auch unwahrscheinliche Ereignisse tippen kann und damit bisweilen gigantische Quoten erreicht. Der mensch neigt zwar dazu, unwahrscheinliche Ereignisse überzubewerten (weshalb so viele Menschen Lotto spielen), doch erstaunlicherweise neigen die meisten Hobbywetter dazu, einfach nur auf das ihrer Meinung nach wahrscheinlichste Ereignis zu tippen, ohne die Quoten zu berücksichtigen. Nehmen wir also ein Beispiel aus dem Fußball: Quoten auf Platzverweise gehen oft über 5,0 und auch Torquoten steigen mit jedem Treffer enorm an. Dortmunds Sieg in Norwegen hätte einem schon bei der Wette über 4,5 Tore eine 3,4er Quote gebracht. Über 6,5 gab Quoten um 10,0. Wichtig ist nicht, ob ein Ereignis eher unwahrscheinlich ist. Es geht darum, dass der Buchmacher es für deutlich unwahrscheinlicher hält und deshalb die Quoten entsprechend hoch sind

Kontakt  

Deutscher Sportverlag
Redaktion tippmit

Friesenplatz 16
50672 Köln
Deutschland

Tel.: +49 (0)221/25 87-319/320
Fax: +49 (0)221/25 87-540

E-Mail: tippmit(at)sportverlag.de